Sichtbarkeit in KI-Systemen: Content so optimieren, dass er zitiert wird

KI-Syteme wie ChatGPT, Claude oder Gemini haben die Internetwelt im Sturm erobert, und sehr viele Menschen verwenden sie mittlerweile für ihre Online-Recherche. Für Content-Creator bedeutet das: Es ist wichtig, Content so zu gestalten, dass die KI-Systeme ihn finden, ihn für ihre Antworten heranziehen und ihn bestenfalls auch zitieren und als Quelle verlinken. Kurzum: KI-Sichtbarkeit ist zu einem wichtigen Faktor bei der Content-Erstellung geworden.
Doch wie müssen Inhalte optimiert werden, damit KI-Systeme sie nutzen, zitieren und verlinken? Worauf müssen Content-Ersteller achten, um von diesen neuen und doch mittlerweile so selbstverständlichen Tools nicht übersehen zu werden?
GEO und AEO: KI-Systeme verstehen
Es kann sich wie eine intensive Herausforderung anfühlen, Content auf KI-Systeme hin zu optimieren – womöglich noch deutlich mehr, als ihn auf Suchmaschinen zu optimieren. Während die mittlerweile drei Jahrzehnte alte SEO-Branche heute ihre einigermaßen etablierten Grundlagen hat, um Inhalte so zu gestalten, dass sie von Suchmaschinen gefunden werden können – wobei auch hier die Entwicklungen einem ständigen Wandel unterliegen – ist die Content-Optimierung für KI-Systeme noch sehr neu. Um besser verstehen zu können, was ein KI-System von Inhalten abverlangt, sind neue Disziplinen wie „GEO“ (Generative Engine Optimization), die Optimierung von Inhalten auf generative Such- und Antwortsysteme oder auch „AEO“ (Answer Engine Optimization) entstanden.
KI-Systeme nutzen für ihre Antwortgenerierung, dem aktuellen Wissenstand zufolge, Informationen auf unterschiedliche Weise:
- Sie orientieren sich an den Suchergebnissen von Suchmaschinen. Sie greifen auf die Bewertungen von Suchmaschinen zurück, um die Inhalte für ihre Antworten zu finden und zu bewerten.
- Sie nutzen aus ihrem Training erlerntes Wissen, das wie eine Art „Grundwissen“ fungiert. Sie müssen dafür nicht noch einmal Webseiten als Informationsquellen durchsuchen.
- Sie nutzen das sogenannte „Retrieval-Augmented Generation“-Verfahren: Vor der Erstellung einer Antwort ruft die KI gezielt Informationen aus externen Quellen ab und verwendet diese dann für ihre Antwort.
Diese Möglichkeiten schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein KI-System kann beispielsweise eine Websuche durchführen und die gefundenen Inhalte anschließend im Rahmen eines RAG-Verfahrens für die Antwortgenerierung nutzen. Aber was davon von welchem KI-System in welcher Gewichtung bei welcher Frage eingesetzt wird, das ist bislang noch nicht wirklich nachvollziehbar – und deshalb ist die Frage nach der perfekten KI-Sichtbarkeit von Content auch nicht ganz leicht zu beantworten.
Content-Optimierung für KI-Systeme: Sinnvolle Ansatzpunkte für die Inhaltserstellung
GEO oder AEO sind noch sehr junge Disziplinen, und es fehlen noch einheitliche Begriffsdefinitionen, Metriken und Evidenzstandards. Trotzdem gibt es bereits Annahmen und Hypothesen darüber, wie Inhalte optimiert sein müssen, um von KI-Systemen verwendet und zitiert zu werden:
- Klare Strukturen: Texte und andere Inhalte sollten klare Strukturen aufweisen. Das lässt sich durch aussagekräftige Zwischenüberschriften, Absätze und logisch voneinander abgegrenzte Teilabschnitte erreichen. Tabellen und Grafiken können zum Verständnis beitragen und für mehr Übersichtlichkeit sorgen.
- Einzigartige Informationen: Inhalte drohen in der Masse unterzugehen, wenn sie von anderen Webseiten abgeschrieben sind oder in eigenen Worten dieselben Informationen bieten. Bietet eine Webseite hingegen einzigartige Inhalte mit eigenen Erkenntnissen oder Erfahrungen, kann das für ein KI-System ein Grund sein, diese Inhalte als Quelle zu verwenden.
- Nutzung von Primärquellen: Links zu Primärquellen erhöhen in der Regel die Glaubwürdigkeit von Inhalten. Es ist auch wichtig, immer deutlich zwischen Vermutungen, eigenen Erkenntnissen und belegbaren Fakten zu unterscheiden.
- Beantwortung von Fragen: Nicht nur für Leser, sondern auch für KI-Systeme ist es einfacher, Inhalte zu verstehen, wenn eindeutige Fragen gestellt und auch beantwortet werden. Das gilt nicht für alle Themen, aber doch für viele. Jedoch können auch Fließtexte gut verständliche, relevante Informationen enthalten.
- Angabe von Urheberschaft: Es gibt die ausdrückliche Empfehlung von Google, deutlich anzugeben, wer die Inhalte erstellt hat, am besten mit Angaben zur Qualifikation.
- Wahrung von Aktualität: Es gibt Inhalte, die schnell veralten, insbesondere wenn es um Daten, Preise, Produktverfügbarkeiten oder sonstige sich schnell ändernde Informationen geht. Hier ist es wichtig, immer darauf zu achten, dass die präsentierten Informationen aktuell sind.
Die Studie „Optimizing Visibility in Generative Engines: A Critical Survey of Generative Engine Optimization (2023-2026)“ von Olivier Martinez macht aber auch darauf aufmerksam, dass zu viel Fokus auf Zitierfähigkeit durch KI-Systeme sogar schädlich sein kann: „auf Zitierungen ausgerichtete inhaltliche Anpassungen können das Retrieval beeinträchtigen.“
Der Begriff „Retrieval“ bedeutet im Zusammenhang mit KI-Systemen die gezielte Auffindung und Bereitstellung von Informationen aus verschiedenen Quellen.
Ohnehin weisen diese Annahmen darauf hin, dass Inhalte letztendlich einfach auf natürliche Weise gut und benutzerorientiert sein müssen, um gute Chancen darauf zu haben, in KI-Systemen sichtbar zu sein. Hierbei muss man im Prinzip nichts erzwingen, sondern leicht verständliche, sinnvoll strukturierte, einzigartige und mit Primärquellen versehene Inhalte produzieren.
Das sagt auch Google Search Central: „Die Seite muss (…) sich auf die wichtigsten Best Practices konzentrieren, z. B. das Erstellen hilfreicher, zuverlässiger und nutzerorientierter Inhalte.“
Technische Voraussetzungen für KI-Sichtbarkeit
Es gibt nach aktuellem Kenntnisstand keine besonderen technischen Voraussetzungen für eine Webseite, damit ihre Inhalte von KI-Systmen gefunden und zitiert werden können. Laut Google Search Central können Google KI-Systeme eine Seite finden, wenn auch Google, die Suchmaschine das kann. Die technischen Voraussetzungen für Suchmaschinen und KI-Systeme sind, zumindest bei Google, also dieselben:
- die Seite ist öffentlich zugänglich und der Google Bot wird nicht blockiert
- die Seite ist keine Fehlerseite und hat den HTTP-Statuscode
- die Seite verfügt über indexierbare Inhalte (sie verstoßen nicht gegen die Spam-Richtlinien und der Textinhalt befindet sich in einem Dateityp, der mit der Google Suche erkannt wird)
Das ist kein 100 %iger Beweis dafür, dass es sich mit allen anderen KI-Systemen auch so verhält, denn diese Informationen beziehen sich nur auf die Tools von Google, aber es ist bislang auch nichts Gegenteiliges bekannt.
Off-Page Faktoren: Wie sie KI-Sichtbarkeit beeinflussen
Es ist wahrscheinlich, dass Faktoren, die unabhängig von dem eigentlichen Webseiten-Inhalt sind (Off-Page-Faktoren), ebenfalls einen Einfluss darauf haben, ob KI-Systeme Inhalte finden, nutzen und zitieren oder nicht – so wie das bei Suchmaschinen wie Google ja auch der Fall ist. Die Rede ist von Faktoren wie der allgemeinen Markenbekanntheit oder der Menge an Erwähnungen und Verlinkungen auf anderen Webseiten (Backlinks).
Es gibt sogar eine Studie von Mahe Chen, Xiaoxuan Wang, Kaiwen Chen und Nick Koudas aus dem Jahr 2025, die zu dem Ergebnis gekommen ist, dass solche Faktoren für KI-Systeme viel wichtiger sind als für Suchmaschinen, wo On-Page- und Off-Page-Faktoren ungefähr gleich wichtig sind (die Studie bezieht sich jedoch nicht auf alle Suchmaschinen, sondern nur auf Google).
Man kann also annehmen, dass Systeme wie Chat GPT gerade diejenigen Webseiten als Quellen heranziehen, die allgemein sehr bekannt und deren Marken- oder Unternehmensnamen im Internet weit verbreitet sind. An dem Generative Engine Optimization-Mythos „Je öfter eine Marke im Internet erwähnt wird, desto häufiger wird sie zitiert“, könnte also durchaus etwas dran sein, auch wenn es bislang noch zu früh ist, um das wirklich als Tatsache zu formulieren. Man kann aber auch davon ausgehen, dass die Chance auf eine gute KI-Sichtbarkeit umso höher sein sollte, je spezifischer der Fachbereich und je kleiner die Nische ist.
Fazit: Was gut für den Nutzer ist, ist auch gut für die KI
Letztendlich ist es bei der KI-Suchmaschinenoptimierung wie bei der SEO generell: Content, der nützlich, gut lesbar und interessant für den menschlichen Leser ist, hat auch bei der KI gute Karten. Es gibt keine Garantie dafür, von KI-Systemen gefunden zu werden, aber guter Content verbessert auf jeden Fall die Aussicht darauf.
Es ist gar nicht so wichtig, sich darauf zu versteifen, Content extra für die KI zu generieren – und 100 % zuverlässige Regeln und „Tricks“ gibt es bislang ohnehin nicht. Aber Fakt ist: Gute Inhalte lohnen sich immer. Sie sorgen für bessere Auffindbarkeit in Suchmaschinen, für mehr zufriedene Leser, die die Inhalte weiterempfehlen und dadurch dann im Idealfall auch für eine höhere (Marken-)Bekanntheit, was dann nochmal die Chancen erhöht, von der KI gefunden und zitiert zu werden.
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