PR für KMU: Warum Fachpressearbeit eine Renaissance erlebt

von | 24. Februar 2026

Marketing- und Kommunikationsabteilungen bei Start-ups und KMUs kennen das Problem: Der Alltag ist voll. Projekte müssen abgeschlossen werden, Kunden erwarten Antworten, interne Abstimmung kosten Zeit. Für strategische Kommunikation bleibt kaum Luft. Auch Public Relations (PR) und Fachpressearbeit geraten ins Hintertreffen, obwohl Inhalte mit Mehrwert für Kunden vorhanden sind.

Fehlende Ressourcen, unklare Abläufe sowie knappe Budgets zählen zu den größten Hindernissen in der Markt- und Kundenkommunikation von B2B- und Industrieunternehmen. Die Folgen sind leise, aber spürbar. Ihr Unternehmen bleibt in gedruckten Fachmedien, Online-Magazinen oder Branchenportalen unsichtbar. Gerade im B2B-Bereich ist das in einem steigenden internationalem Wettbewerb kritisch. Wenn nicht über Sie gesprochen wird, verlieren Sie an Relevanz und rutschen in Entscheidungsprozessen Ihrer Kunden nach hinten.

Doch das lässt sich ändern. Denn viele KMUs verfügen über starke Produkte, tiefes Know-how und echte werthaltige Lösungen. Globale Sichtbarkeit und Reichweite können mit entsprechender Fachpressearbeit zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil werden.

Dieser Artikel zeigt, warum PR gerade für KMUs ein wirksamer Hebel ist, welche Formate sich bewähren und wie Pressearbeit so strukturiert werden kann, dass sie im Alltag Wirkung entfaltet. Er richtet sich an Start-ups sowie kleine und mittelständische Unternehmen im B2B-Umfeld, insbesondere Industrie- und Technologieunternehmen, die Ihre Zielgruppen über gedruckte und digitale Fachmedien erreichen wollen, ohne ein großes PR-Team aufzubauen.

1. Was ist Public Relations eigentlich?

PR steht für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der klassische Leitsatz gilt dabei weiterhin: Tue Gutes und rede darüber.

PR bedeutet nicht, laut zu sein. Es geht darum, neue oder komplexe Themen so zu erklären, dass sie verständlich sind und weitervermittelt werden können. Entscheidend ist dabei die Rolle der Medien: Journalisten fungieren als Türsteher. Sie entscheiden, welche Themen in ihrem Medium veröffentlicht werden. Deshalb nennt man sie auch Gatekeeper.

Gute PR schafft Sichtbarkeit durch Relevanz, nicht durch Werbung. Das macht PR für KMUs wertvoll ist. Wer fachlich überzeugt, praxisnah argumentiert und einen klaren Nachrichtenwert liefert, kann auch ohne großes Budget Aufmerksamkeit erzielen.

2. Warum lohnt sich PR und Medienarbeit gerade für Mittelstand und kleinere Unternehmen?

In vielen KMUs herrscht immer noch die Vorstellung, dass PR nur für große Marken wichtig ist, teure Agenturen notwendig sind oder der Aufwand im Alltag nicht machbar ist. Diese Annahmen greifen zu kurz.

Mit PR erreichen B2B-Unternehmen ihr Fachpublikum dort, wo diese sich informieren: in Fachzeitschriften, Online-Magazingen, Fachportalen und Branchen-Newslettern. Diese Medien lesen Entscheider und Menschen, die Verantwortung tragen, unter anderem Geschäftsführung, Einkauf, Technik oder Projektleitung. Genau die Zielgruppen, die Sie im B2B erreichen wollen.

Zudem schafft PR Vertrauen. Ein Beitrag in einem relevanten Fachmedium wirkt wie eine unabhängige Bestätigung. Nicht weil ein Medium immer recht hat, sondern weil es auswählt. Und diese Auswahl signalisiert: Das Thema ist relevant für die Leser und die Branche.

Zusätzlich erhöht PR die Sichtbarkeit und Reichweite nachhaltig. Onlineartikel werden geteilt, zitiert, verlinkt. Gedruckte Magazine liegen in Unternehmen aus. Sie werden weitergereicht und bleiben präsent.

Darüber hinaus liefern die PR-Themen Material für die gesamte Kommunikationsarbeit. Ein gut aufbereitetes Themen lässt sich mehrfach nutzen. Auf der Website. Im Newsletter. In Social Media. Im Vertrieb. Für das Recruiting. Aus einem PR Baustein wird ein vielseitiger Kommunikationsbaustein.

3. Der häufigste Fehler in der Pressearbeit von KMUs

Pressearbeit muss ebenso wie die strategische Kommunikation gut geplant, vorbereitet und die Inhalte fundiert aufbereitet werden. Dementsprechend ist in einem übervollen Projektalltag der häufigste Fehler simpel: PR wird nur gemacht, wenn Zeit ist.

Die Folge: Für Kunden interessante Informationen und Themen, ob als Presseinformation, Fachartikel oder Success Story, werden verschoben, lediglich auf Social Media kommuniziert oder als zu aufwendig aufgegeben.

Dabei ist ein PR-Konzept kein Hexenwerk, sondern ein kleines, wiederholbares System, das sich gut in den Alltag integrieren lässt:

Schritt 1: Legen Sie ein klares Ziel fest

Zum Beispiel höhere Sichtbarkeit in Fachmedien, das Erreichen eines Expertenstatus in einem Fachgebiet oder ein Vertrauensaufbau vor dem Vertriebsgespräch. Wenn alles gleichzeitig will, bleibt unscharf.

Schritt 2: Erstellen Sie eine Zeitplanung

Konzentrieren Sie sich auf ein relevantes Thema, das wirklich neu. Ein Meilenstein, eine neue Partnerschaft, eine neue Anwendung oder ein erfolgreiches Kundenprojekt. Ein Thema pro Quartal sollte realistisch machbar sein.

Schritt 3: Formulieren Sie den Nachrichtenwert in einem Satz

Wenn sich der Kern Ihres Themas nicht in einem Satz sagen lässt, ist es noch zu unklar. Der Satz ist später auch die Basis für Überschrift und Lead.

Schritt 4: Bauen Sie eine Medienliste auf

Es müssen nicht gleich Hunderte Kontakte sein. Entscheidend ist nicht die Quantität. Zehn bis zwanzig passende Redaktionen sind ein guter Startpunkt. Wichtig ist, dass relevante Redaktionen und Journalisten passgenau erreicht werden.

Schritt 5: Wählen Sie ein Format für Ihre Neuigkeit

Neuigkeiten gehören in eine Pressemitteilung. Know-how lässt sich in einem Fachartikel vertiefen. Das Management kann mit einem klaren Standpunkt mit einem Interview oder Statement positioniert werden.

Schritt 6: Verankern Sie einen festen Termin im Kalender

Legen Sie den Veröffentlichungstermin frühzeitig fest, beispielsweise anlässlich einer Fachmesse. Das hilft Ihnen, regelmäßig zu kommunizieren.

Schritt 7: Fassen Sie freundlich nach

Ein Recht auf eine Veröffentlichung in den Fachmedien gibt es nicht. Und manchmal benötigen Journalisten Zeit, drängelnde Anrufe sind kontraproduktiv. Fassen Sie nach einem angemessenen Zeitraum nach dem Versand freundlich nach.

4. Welche Formate der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sich für KMU besonders lohnen

Für eine erfolgreiche PR-Arbeit eignen sich zahlreiche Formate.

Boilerplate

Die Boilerplate ist Ihre Visitenkarte in Ihrer PR-Arbeit. Ein kurzer Standardtext über Ihr Unternehmen, der gleichlautend konsistent eingesetzt werden kann, beispielsweise in Dokumenten, in Pressemitteilungen oder auch im Footer auf Webseiten

Pressemitteilung

Die Pressemitteilung ist das richtige Format, um Aktuelles und Neues aus Ihrem Unternehmen zu verkünden. Die Eröffnung eines neuen Standorts, eine wichtige Kooperation, eine kundenrelevante Personalie oder eine Auszeichnung. Die Liste an Möglichkeiten ist lang. Eine gute Pressemitteilung ist verständlich formuliert, beantwortet die W Fragen und ist klar aufgebaut: Überschrift, Lead, Haupttext, Boilerplate, Pressekontakt. Die wichtigste Information steht am Anfang. Denn Redaktionen haben wenig Zeit und müssen die Relevanz der Mitteilung für ihre Leser schnell erkennen.

Interview oder Statement

Ein Interview ist sinnvoll, wenn Sie eine Perspektive haben, die andere nicht haben. Das kann eine Einschätzung zum Markt sein, eine Einordnung eines Trends, technisches Detailwissen oder ein klarer Standpunkt. Für das Gelingen ist die Vorbereitung das A&O. Ein kurzes Fragen und Antworten-Dokument sorgt für konsistente Botschaften und Sicherheit der interviewten Person.

Fachartikel oder Expertenbeitrag

Fachartikel sind ideal, um Ihre Kompetenz im B2B-Bereich zu zeigen. Der klassische Aufbau funktioniert fast immer: Sie beschreiben zuerst ein Problem aus dem Alltag, erklären seine Relevanz und zeigen danach in drei bis fünf Schritten die Lösung auf. Zum Schluss nennen Sie ein Beispiel aus der Praxis und ziehen ein Fazit.

Fachartikel sind nicht nur für die Fachpresse relevant. Sie können auch Vertrieb, Recruiting und Business Development im Tagesgeschäft unterstützen.

Pressegespräch und Pressekonferenz bei großen Neuigkeiten

Für große Neuigkeiten sowie komplexe Sachverhalte reicht eine Pressemitteilung nicht aus. Dann ist ein persönliches Pressegespräch oder eine Pressekonferenz sinnvoll.

Ein Pressegespräch bietet Raum für Erklärungen, etwa bei neuen Technologien oder strategischen Veränderungen. Hierfür laden Sie ausgewählte Journalisten ein.

Eine Pressekonferenz ist das Format für große Anlässe. Zum Beispiel, wenn Sie auf einer Messe eine größere Innovation vorstellen oder eine neue Produktlinie einführen. Wichtig ist dabei ein hoher Nachrichtenwert. Journalisten kommen nur wenn es für ihre Leser und ihr Publikum relevant ist.

Über diese Formate hinaus, gibt es weitere Optionen für Ihre PR-Arbeit, beispielsweise Erfolgsberichte, Blogs oder auch Newsletter.

5. Public Relations und Pressearbeit sind für KMUs unverzichtbar, um sichtbar zu werden und Reichweite aufzubauen

PR ist für KMU kein ‚Nice to have‘, sondern ein wirkungsvolles Instrument für Sichtbarkeit, Vertrauen und Reichweite. Gerade bei knappen Ressourcen, braucht es keine große PR Maschinerie, sondern einen klaren und praktikablen Ablauf.

Wer PR nur betreibt, wenn Zeit ist, bleibt unsichtbar. Wer PR als Routine versteht, wird planbar sichtbar. Ein klares Ziel, eine strukturierte Zeitplanung, ein konkreter Nachrichtenwert, eine ausbaubare Medienliste und das passende Format reichen oft aus, um regelmäßig in gedruckten Fachmedien, Online-Magazinen oder Branchenportalen präsent zu sein. Entscheidend für eine Veröffentlichung ist nicht Lautstärke, sondern Relevanz. Wenn Themen verständlich erklärt werden, wenn Fakten sauber sind und wenn das Format zur Neuigkeit passt, steigt die Chance, dass Redaktionen Ihre Mitteilung veröffentlichen.

PR ist kein Einzelprojekt, sondern wichtiger Baustein Ihrer strategischen Kommunikation. Sie ist ein Prozess. Mit jeder Pressemitteilung, jedem Fachartikel und jedem Interview wächst die Routine und sichert KMUs systematisch aufgebaute Sichtbarkeit.

Wenn PR im Alltag bisher zu kurz kommt, kann externer Unterstützung gezielt entlasten: Bei der Themenplanung, beim Formulieren von Pressemitteilungen und Fachartikeln, bei der Auswahl passender Medien sowie beim strukturierten Aufbau einer nachhaltig erfolgreichen Pressearbeit. So wird PR planbar, verständlich und wirksam, ohne dass ein großes Team aufgebaut werden muss.

Wer PR strukturiert aufsetzen oder die eigene Pressearbeit gezielt verbessern möchte, findet hier die passende Übersicht und den direkten Einstieg.

Quellen:

Imre Szerdahelyi

Imre Szerdahelyi ist Inhaber der Szerdahelyi Marketing- und Kommunikationsberatung in München. Seit über 30 Jahren arbeitet er in den Bereichen Markenmanagement, Marketing, Kommunikation und Investor Relations tätig. Mehr als 20 Jahre war er auf Unternehmensseite tätig, davon zwölf Jahre als Leiter internationaler Abteilungen und Projektteams bei zwei globalen Markt- und Technologieführern. Für seine Klienten agiert er als strategischer Berater, Arrangeur, Projektkoordinator, Netzwerker oder Interim-Manager.